Faszination Yukon

Mein Reisebericht über den Besuch bei Sebastian Schnuelle "Bluekennels" und die Teilnahme an einem Rennen im Yukon. 

 

Reisebericht vom 21.02. bis 05.03.2003

Vorwort und Planung

Jeder der mit Schlittenhunden lebt und sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt, hegt irgendwann den Wunsch mit einem Hundeschlitten durch das Ursprungsland dieser Fortbewegungsart zu fahren.
Seit geraumer Zeit informierte ich mich über die Möglichkeiten einer solchen Reise und stellte fest, das es sowohl rein englischsprachige sowie auch deutschsprachige Anbieter gibt. Nun stand ich vor dem Problem, welches Angebot denn nun für mich das richtige ist. Ich nahm per e-Mail Kontakt zu einem Anbieter namens Sebastian Schnuelle auf, ein im Yukon lebender Deutscher und Betreiber des "Bluekennels" dessen Internetseite recht vielversprechend ist.
Ich schrieb Sebastian per e-Mail woher ich stamme, von meinem Hobby den Schlittenhunden, meinem Traum dem Yukon, meiner Homepage und das ich doch eigentlich noch ein "Rookie" (ein Neuling) im Bezug auf Hundeschlitten bin. Ich löcherte Sebastian auch gleich mit endlosen Fragen über Beste Reisezeit, angebotene Touren, erforderliche Ausrüstung, körperliche Fitness u.s.w.
Es dauerte nicht lange und ich bekam eine detaillierte Antwort auf alle meine Fragen. Ich war begeistert. Meine Begeisterung wurde zudem dadurch gesteigert, dass er mir auf die Frage nach dem besten Reisetermin, das Angebot machte gegebenenfalls an einem lokalen Schlittenhunderennen teilnehmen zu können.
Wahnsinn. Ich machte den Termin mit Sebastian klar und besorgte mir die Flugtickets.

Alaska Hwy

Die Anreise

Am 21.02.2003 konnte ich endlich in den Yukon aufbrechen. Mein Zubringer-Flug ging um 10:20 Uhr ab Düsseldorf in Richtung Frankfurt. Dort angekommen hieß es Beeilung, denn der Flug nach Vancouver startete um 12:40 Uhr und ich musste noch die strengen Sicherheitskontrollen passieren.
Geschafft, ich saß in der Maschine und hatte jetzt noch ca. 9,5 Std. Flug vor mir. Der Flug selber war eher langweilig. Es ging zwar über eine sicherlich interessante Fugrute; Norddeutschland – Norwegen – Grönland – Yellowknife – Vancouver; allerdings kann man bei einer Flughöhe von ca. 13000m nicht sehr viel erkennen. Um ca. 14:00 Uhr Ortszeit (Vancouver hat minus 9 Std.) traf ich dann in Vancouver ein. Nachdem die sehr intensiven Einreiseformalitäten erledigt waren, konnte ich endlich das Flughafengebäude verlassen.
Ich bestieg ein Taxi und ließ mich zum Holiday-Inn Downtown fahren, in dem ich vor meiner Abfahrt per Internet ein Zimmer reserviert hatte. Im Hotel checkte ich ein, stellte meinen Rucksack ab und zog los um mir Vancouver anzusehen. Ich verzichtete bewusst auf eine Pause im Hotelzimmer, da die Zeitverschiebung mir so langsam zu schaffen machte. Obwohl es erst 15:00 Uhr Ortszeit war, war meine innere Uhr noch auf Mitternacht MEZ eingestellt.
Vancouver ist eine sehenswerte Stadt und ich hielt bis ca. 21:00 Uhr durch. Völlig erschlagen von dem Flug, den Eindrücken der Stadt und der Zeitumstellung verfiel ich in einen Tiefschlaf um dann um 3:00 Uhr morgens wieder fit zu sein. Es war grausam.
Am morgen begab ich mich abermals zum Flughafen und checkte zum Inlandflug nach Whitehorse ein. Vor mir lagen noch einmal ca. 3 Std. Flug. Dieser Flug war sehr interessant, führte er doch bei klarer Sicht fast ständig über die Rocky´s. Die Berge waren vollkommen schneebedeckt und ich wurde immer nervöser. Sollte ich doch bald am Ziel meiner Träume sein.

Yukon Wappen

Der Yukon

Nach der Landung auf dem International Airport Whitehorse, einem kleinen gemütlichen Flughafen, nahm ich mein Gepäck in Empfang und traf das erste mal auf Sebastian von "Bluekennels".
Da stand er mit seinen zerzausten Haaren, die eigentlich schon sein Markenzeichen sind. Er begrüßte mich und weitere Gäste mit einem breiten Grinsen und sagte kurz, nachdem er unser Outfit begutachtet hatte; das wird frisch, ihr braucht erst einmal was zum Anziehen, hier ist Winter. Desweiteren wurden wir auf die einzelnen Camps verteilt. Ich sollte mit vier weiteren Gästen nach Watson-Lake gehen, da die Schneeverhältnisse in Whitehorse nicht so toll waren. Es bedeutete für mich eine Fahrt von 450 km über den Alaska-Highway.
Als ich das Flughafengebäude verließ, wusste ich sofort was Sebastian gemeint hatte. Es war -25 Grad und meine europäische Outdoorkleidung war auf längere Sicht einfach überfordert. Wir fuhren zum River-View Hotel in Whitehorse, wo Sebastian sein Büro und ein Lager für Outdoorkleidung unterhält. Wir wurden mit Parkas, Boots und Hosen ausgestattet damit wir die arktische Kälte überstehen konnten. Anschließend hatten wir noch die Möglichkeit in Whitehorse ein paar nützliche Dinge wie Handschuhe, Batterien, Kopflampe u.s.w. zu absolut günstigen Preisen einzukaufen.
Komplett ausgerüstet machte ich mich mit vier weiteren Gästen in Sebastian´s Pick-Up auf die Reise nach Watson-Lake. Hier hörte ich es zum ersten mal; ABFAHRT; Sebastian´s Lieblingswort. Während der Fahrt über den Alaska-Highway erlebte ich eine atemberaubende Landschaft mit einer schier endlos wirkenden Weite. Auf der Fahrt erzählte Sebastian vom Leben im Yukon-Territory und gab erste Instruktionen über das Verhalten in der Wildnis. Er erzählte von seiner Auswanderung und von seinen Schlittenhunden.
Sebastian gab auch Hinweise im Umgang mit den Besonderheiten bei alltäglichen Dingen. So kann es zum Problem werden, wenn bei einem Fahrzeug nach dem Parken der Motor abgestellt oder die Türen verschlossen werden. Bei den großen Minustemperaturen kann es passieren, dass die Türen vereisen oder der Motor nicht mehr anspringen wird (im Yukon bleiben im Winter alle Motoren am laufen und kein Fahrzeug wird abgeschlossen!!). Auch soll man ohne Handschuhe keine metallischen Gegenstände (z.B. Karabiner der Hundeleinen) berühren, denn das äußerst kalte Metall verursacht sofort Erfrierungen an den Kontaktstellen.
Nach ca. 4,5 Std. Autofahrt, wir begegneten vielleicht zehn anderen Verkehrsteilnehmern, trafen wir in Watson-Lake ein. Watson-Lake ist ein recht kleiner Ort mit ca. 800 Einwohnern mitten im Yukon-Territory. Ich wurde mit den anderen vier Gästen in einer ehemaligen Airforce-Lodge, einem Überbleibsel aus der Zeit des Baus des Alaska-Highways, untergebracht. Diese Lodge gehört Michael, er war vor ein paar Jahren ausgewandert und hat dieses Gabäude top saniert.

in der Wildnis

Hier wurde uns dann von Sebastian unser Tour-Guide vorgestellt. Calab ist ein junger sympatischer Kanadier. Ich teilte mir für meinen Aufenthalt in Watson-Lake meine Unterkunft mit ihm. Obwohl Calab kein deutsch spricht und meine englischen Sprachkenntnisse nicht perfekt sind, habe ich einige interessante Unterhaltungen mit ihm führen können uns so einiges über Land und Leute erfahren.
Nachdem ich mich weitestgehends häuslich eingerichtet hatte, bekam ich mit den anderen Gästen eine erste Einweisung in die zu erledigenden Arbeiten mit den Huskies für die nächsten Tage. Die Arbeiten bestanden im wesentlichen in der Reinigung des Areals und die Versorgung der Schlittenhunde. Es gilt der Grundsatz; erst der Hund dann der Mensch; denn in der Wildnis ist der Mensch ohne seine Begleiter, den Schlittenhunden, aufgeschmissen.
Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Zuerst kam eine Einweisung an den Tourenschlitten. Als nächstes erklärte Calab in welcher Reihenfolge die uns zugeteilten Hunde eingzuschirren sind. Desweiteren bekam jeder noch besondere Eigenheiten über einzelne Hunde mitgeteilt. Probleme bestehen z.B. darin, das sich Hunde nicht immer miteinander vertragen und andere Tiere während den Pausen einfach ihr Geschirr oder Zugleinen zerfressen.
Anschließend brachen wir mit sechs Schlitten jeweils mit vier Huskies bespannt zu unserer ersten Tour auf. Es ist unbeschreiblich. Die Huskies stürmten los als gäbe es kein Morgen mehr. Es ging in eine unvergleichbare Landschaft. Tief verschneite Wälder, unberührte Lichtungen, bergauf und bergab. Eine unglaubliche Ruhe, nur gebrochen durch das hecheln der Huskies und das knirschen des Schnees unter den Schlittenkufen.
Ich war im Paradies.
Hin und wieder ein paar Spuren der einheimischen Tierwelt. Vermutlich Elche oder Carribu´s. Es leben zwar auch viele Bären und Wölfe im Yukon, allerdings braucht man sich keine großen Sorgen darüber zu machen. Bären halten im Winter im allgemeinen Winterschlaf und Wölfe sind sehr scheue Tiere.
Die erste Tour endete nach ungefähr 6,5 Std. und ca. 45 km wieder an ihrem Ausgangspunkt. Jetzt galt es wieder. Erst der Husky dann der Mensch. Als alle Arbeiten; ausschirren, Wasser für die Tiere, ein Blick nach eventuellen Verletzungen der Huskies; erledigt waren, konnten sich auch die Menschen versorgen.
In den nächsten Tagen befuhren wir etliche Trails. Jedesmal ging es durch eine Traumlandschaft. Die absolut unberührte Natur zieht einen völlig in ihren Bann. Die Huskies gewöhnten sich mehr und mehr an die Person hinten auf dem Schlitten und schienen nie Müde zu werden. Ich genoß jeden einzelnen Kilometer und wünschte mir das es nie zu Ende gehen mag.
Nach fünf Tagen war es jedoch soweit. Sebastian erschien auf der Bildfläche und eröffnete mir, dass das Rendevous-Race in Whitehorse stattfinden würde. Ich könnte teilnehmen und müsste in sein Base-Camp zwischen Whitehorse und Haines-Junction umziehen.
Um keinen Tag zu verlieren, beschloß ich über Nacht mit einem Greyhound-Bus zurück zu fahren. Ein Erlebnis das man auch nicht alle Tage hat. So packte ich meinen Rucksack, verabschiedete mich von Calab und den anderen Gästen und machte mich auf zu einem weiteren Höhepunkt meiner Tour.

 

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Das Rennen

Ich kam mit dem Greyhound früh morgens um 4:00 Uhr in Whitehorse an. Dort erwartete mich Sebastian. Wir brachten zuerst noch zwei Gäste, die mit mir aus Watson-Lake zurück kamen, nach Haines-Junction. Anschließend fuhren wir noch bis nach Silvercity hinaus. Wir mußten die für mich vorgesehenen Rennhunde einsammeln. Sebastian verleiht hin und wieder Hunde an befreundete Musher.

Silvercity

Während der Fahrt erklärte er mir was mich erwarten wird. So konnte ich mich schonmal darauf einstellen, dass der Umgang mit Rennhunden anders ist als der mit Tourenhunden. Er wies mich auch in die Geheimnisse der richtigen Führung eines solchen Gespannes ein. Es war hoch interessant, da ich auf diese Weise auch Tipps und Tricks von einem Profi für meine Hunde in der Heimat sammeln konnte.
Nach der Ankunft in "Bluekennels", Sebastian´s Wohnsitz und Basecamp, bezog ich eine seiner gemütlichen Holzhütten. Anschließend lernte ich seine Frau Jocelyne kennen.
Nach einer kleinen Ruhepause und einem Kennenlernen der Rennhunde, machte ich zusammen mit Jocelyne das Gespann für eine Trainingsfahrt fertig. Ich bekam neue Leinen, suchte die passenden Geschirre für die Hunde zusammen und kontrollierte den Rennschlitten. Es war ein Danler-Distance-Schlitten. Im Anschluß prägte ich mir den Trail für die Trainingsfahrt ein. Da ich allein unterwegs sein würde durfte ich mich auf keinen Fall verfahren. Wo sollte man mich suchen, falls mir etwas passiert. Jetzt mußten nur noch die Hunde eingeschirrt werden. Nur? Diese auf Langstrecken rennerprobten und erfolgreichen Huskies reißen einem den Arm ab wenn man nicht beherzt und korrekt zupackt. Endlich, ich hatte die erste Hürde genommen. Nun, rauf auf den Schlitten, Anker hoch und ABFAHRT. Genau so hat Sebastian mir es erklärt. Kein streicheln mehr, die Dog´s wollen nur noch Rennen.
Und das taten sie auch. Ich hätte nie geglaubt das vier Hunde solch ein Tempo erreichen würden. Völlig diszipliniert kennen die Tiere nur eins……….RENNEN. Auch die Kommandos setzen sie sofort um. Man muß nicht mal laut rufen. Ich glaube mir schwellte vor Stolz meine Brust. Ich steuerte zum erstenmal in meinem Leben ein wenn auch kleines Langstrecken-Renngespann.
Am Abend fuhr ich mit Sebastian nach Whitehorse. Dort fand das Musher-Briefing für die anstehenden Rennen statt. Ich schrieb mich in die Teilnehmerliste ein und zog meine Startnummer. Oh Gott….es war die 1.

Der nächste Tag begann schon früh. Wir luden die Huskies in einen Hundetrailer, schoben die Rennschlitten auf den Pick-Up und fuhren wieder nach Whitehorse. Dort wurde uns ein Platz im Fahrerlager zugewiesen. Wir bereitete das Material und die Huskies für das Rennen vor und erhielt meine Startnummer. Die Zeit bis zum Start nutzte ich um nochmals letzte Instruktionen von Sebastian zu bekommen und sah mich noch ein wenig im Fahrerlager um. Rennatmosphäre. Musher von denen man sonst nur lesen kann unterhielten sich mit einem. Presseleute hielten mit Mikrofonen und Kameras auf jeden Musher. Wahnsinn. Je näher der Startzeitpunkt rückte, desto unruhiger wurde ich. Dann wurde das Sprintrennen aufgerufen, ich mußte mich fertig machen. Ich schirrte die Huskies ein, die genau wußten was jetzt kommt. Sie reagierten unruhig. Ca. 3 min. vor dem Start fuhr ich eine kleine Gasse richtung Mainstreet hinunter. Als ich auf die Mainstreet einbog, bot sich ein unglaubliches Bild. Zuschauer applaudierten, eine Stimme im Lautsprecher stellte mich, die Hunde und den Rennstall "Bluekennels" für den ich ja startete vor. An der Startlinie kamen zwei Starthelfer zu Hilfe damit das Gespann, die Hunde wollten jetzt nur noch los, stehen blieb und ich mich auf den Start konzentrieren konnte. Man wartete auf mein o.k. und dann wurde die Zeit runtergezählt. LET´s GO. Die Hunde jagten mit mir davon. Es ging zuerst am Yukon-River entlang und ich hatte bei diesem Tempo ein gutes Gefühl. Das Gefühl änderte sich an einer Wendeschleife. Ich machte einen gravierenden Fahrfehler und die Huskies bogen nicht ab, sondern sprangen ehe ich es verhindern konnte über eine Absperrung. Das kostete wertvolle Zeit. Der Rest des Rennens lief dann wieder Problemlos. Als ich über die Ziellinie kam wurde ich wieder von viel Applaus empfangen. Die Platzierung war mir dabei völlig egal. Ich hatte im Yukon-Territory ein Rennen gefahren und war angekommen. Ich war mächtig stolz auf mich.
Nach dem Rennen hatte ich Gelegenheit mich bei jedem Husky für die Arbeit zu bedanken. Ich hatte es schließlich
geschafft, dass diese Hunde nur für mich gelaufen sind.

Die letzten Tage

Am Abend nach meinem Rennen war abermals ein Musher-Briefing angesagt. Diesmal handelte es sich um das 10 Hunde Fracht-Rennen, an dem Sebastian teilnehmen wollte. Ich begleitete ihn, denn das Rennfieber hatte mich gepackt selbst wenn ich nicht selbst starten konnte. Außerdem trifft man bei solchen Veranstaltungen eine Menge interessanter Leute, dessen Namen ich bisher immer nur in Büchern über den Schlittenhundesport gelesen habe.
Tags darauf half ich Sebastian das Frachtrennen zu starten. Ein Gespann mit 10 Hunden zu bändigen ist schon eine Kraftanstrengung. Insgesamt vier erwachsene Männer konnten das Gespann mit Sebastian und rund 200 kg Zusatzgewicht kaum daran hindern loszurennen. Die Kraft der Hunde ist der reine Wahnsinn.
Während Sebastian das Rennen bestritt, sah ich mir Whitehorse an. Die Stadt hat ca. 20 000 Einwohner. Es scheint als führen die Menschen hier ein sehr ruhiges und beschauliches Leben. Ich kaufte ein paar Souvenirs ein und fuhr dann mit Jocelyne zurück zum "Bluekennels".
Ich nutzte meine letzten beiden Tage um mir per Schlitten die Gegend zwischen Whitehorse und Haines-Junction anzusehen. Die Landschaft ist hier schroffer und karger als in Watson-Lake. Hat aber ebenfalls ihren ganz eigenen Reiz. Auch ist die Schneemenge sowie die Temperatur gemäßigter. Ich stellte fest, dass das Yukon-Territory offensichtlich viele Gesichter hat.

Whitehorse

Ich verbrachte auch einige Zeit mit den Huskies im "Bluekennels". Sebastian hat zwar einen Mitarbeiter der sich um die Tiere hier kümmert, aber aufgrund der Menge von etwa 80 Hunden allein im Basecamp, ist eine helfende Hand Pflicht. Im übrigen gibt es nicht schöneres für einen Schlittenhundefan als so viele Huskies um sich zu haben und wenn diese dann abends auch noch gleichzeitig anfangen zu heulen, so fühlt man sich wie im Paradies.
Leider hält nichts ewig. Es kam der Tag der Abreise.

Die Reise zurück

Meinen letzten Abend verbrachte ich planmäßig in Whitehorse. Sebastian hatte ein Zimmer im River-View Hotel reserviert. An diesem letzten Abend fand allerdings noch das Musher-Banket für alle Teilnehmer des Rendevous-Race statt. Es gab nicht nur ein tolles Buffet, sondern es wurde sich bei den Sponsoren und verantwortlichen bedankt. Dann kam die Siegerehrung. Ich wurde ebenfalls aufgerufen. Ich ging zu dem Veranstalter und nahm dort meinen Preis entgegen. Es war die "Red-Lantern" für den letzten Platz. Die Platzierung war mir nach wie vor egal. Ich war einfach nur stolz darauf im Yukon-Territory ein Schlittenhunderennen gefahren zu sein und mich unter bekannten Mushern aufhalten zu können. Die rote Laterne hat somit eine sehr große Bedeutung.
Am nächsten morgen war es dann soweit. Sebastian kam ins Hotel. Obwohl so nicht abgesprochen wollte er mich doch zum Flughafen bringen. Ich hörte dann vorerst zum letzten mal sein ABFAHRT.
Beim einchecken am Flughafen erlebte ich dann noch eine Überraschung. Als ein Zöllner meine rote Laterne entdeckte, kamen alle Zöllner zu mir um mir zu gratulieren. Ich wußte garnicht wie mir geschah. Mittlerweile weiß ich warum, Sebastian schrieb mir per e-Mail das Musher im Yukon-Territory fast schon Nationalhelden sind. Iich fühlte mich sehr geehrt.
Es kam wie es kommen mußte. Die Maschine mit mir an Bord hob vom Whitehorse International Airport ab. Ich blickte noch ein letztes mal auf die Landschaft. Mich überkam Traurigkeit.
Der Rückflug war genauso wie der Hinflug. Zwischenstopp in Vancouver. Eine nacht im Hotel und dann der Flug zurück nach Deutschland. Der einzige Unterschied war, das mich plötzlich der Autoverkehr, die Menschenmengen, die Hektik und der Lärm der Großstadt schrecklich nervte. Ich suchte Ruhe und Abgeschiedenheit. Ein Gefühl, dass mich noch lange beschäftigen sollte.

Fazit

Der Flug
Der Flug ist wie jeder Langstreckenflug eher als langweilig zu sehen. Der Flug von Vancouver nach Whitehorse ist schön, denn er geht über eine wunderschöne Region Kanada´s.

Vancouver
Vancouver ist eine interessante Stadt mit freundlichen Menschen. Sie ist in gewisser Art hektisch und liegt in einer tollen Landschaft umgeben vom Meer.

Das Yukon-Territory

Eine Traumlandschaft mit vielen Gesichtern. In der Wildnis gibt es Ruhe pur. Eine unvorstellbare Weite. Fernab jeglicher Hektik. Die Bevölkerung ist zurecht stolz auf das Land nördlich des 60ten Breitengrades. Die Menschen die dort Leben sind freundlich und aufgeschlossen. Man wird oftmals in Geschäften oder Restaurants in Gespräche verwickelt. Im Yukon-Territory kann jeder mehr oder weniger seinen Traum vom Leben leben. Man wird als Mensch anerkannt und nicht das Vermögen das man besitzt. Vielleicht liegt es an den geographischen Gegebenheiten einer manchmal recht unwirklichen Landschaft.

Bluekennels

Betrachte ich Bluekennels aus der sicht eines Touristen, so kann ich sagen, dass dieser "Veranstalter" sich sehr um seine Gäste kümmert. Die Tour-Guides die ich kennengelernt habe sind alle sehr kompetent im Umgang mit den Gästen. Sie sind nahezu rund um die Uhr für die Gäste da. Es gibt während der Touren eigentlich keinen Feierabend. Die Guides bemühen sich nicht nur im Umgang mit den Huskies, sie erzählen viel über Land und Leute und kochen auch hervorragend für ihre Gruppe. Die einzige Vorraussetzung für den Touristen ist ein bisschen Flexibilität, denn man ist auf die Natur angewiesen und hat Umgang mit Hunden. Dies erfordert schon einmal ein Anpassen.

Nun…..ich habe Bluekennels nicht nur als Tourist kennengelernt. Ich habe mich nie als Fremder gefühlt. Ich denke das ganze Team um Sebastian und Jocelyne ist mit ganzem Herzen dabei. Ich glaube sie alle teilen die Leidenschaft "Schlittenhund" und bringen das auch zu ihren Gästen rüber.
Das zeigt allein die Tatsache das Sebastian mitlerweile mit mehr als 120 Huskies lebt und dabei von jedem Hund nicht nur den Namen weiß, sondern auch noch über seine Eigenschaften eine Aussage machen kann.

Hunde

Die ganze "Gang", wie Sebastian seine Hunde nennt, ist in einer prächtigen Verfassung. Die Tiere sind allesamt sehr Leistungsfähig und rennen ohne Probleme täglich ca. 35km. In den zusammengestellten Gespannen finden sich teilweise Huskies, die Sebastian zu Rennen einsetzt. Selbst alternde Huskies werden nicht einfach "weggeworfen" sondern haben nach "Dienstende" einen wohlverdienten Ruhestand. Aber wer Huskies kennt, der weiß, das diese Tiere am liebsten bis zum letzten Atemzug arbeiten.

Bernd Langer