Caipirinha…..

 

„Caipirinha of Frankonia-Power“

Bernd Langer

veröffentlicht SHC-Aktuell 02/07 Artikel – Der besondere Hund 

Jeder Hundehalter hält seinen Hund für etwas Besonderes – egal aus welchem Grund oder für welchen Zweck er angeschafft wurde. Das ist auch richtig so, denn jeder Hund hat Eigenheiten die ihn „besonders“ erscheinen lassen. Darüber hinaus gibt es dann noch die Hunde die sich in besonderem Maße aus der Menge herausstellen. Dass wir einmal in den Genuss kommen würden mit einem solchen Hund unser Leben zu teilen, hätten wir nicht einmal im Traum zu hoffen gewagt. Die Rede ist von unserer Caipi. Ihr richtiger Name lautet „Caipirinha of Frankonia Power“, sie stammt aus dem C-Wurf von Stefan und Silvia Roppelt und ist das Ergebnis der Verpaarung von Frosty of KwikWay X Sperbers Torne Marks N´Akimo. Die Welpen aus diesem Wurf sind auch als „Ricklinge“ bzw. „Alko-Pups“ bekannt.

Caipi Welpe

Es war im Sommer 2005 als wir auf der Suche nach einer Verstärkung für unser noch kleines Team waren. Wir traten mit dem Frankonia Power-Kennel in Kontakt und es ergab sich für uns die Möglichkeit einen Welpen aus dem besagten C-Wurf zu bekommen. Schon im zarten Alter von gerade einmal fünf Wochen zeigte sich Caipi im Umgang mit ihren Geschwistern der Art selbstbewusst, das aus dem Zuchtzwinger eine (scherzhafte) Empfehlung auf ein gutes Buch über Erziehung von Hunden kam. Zu diesem Zeitpunkt konnte vermutlich noch niemand diese Vorzeichen deuten.
Im September 2005 war es dann soweit. Caipi konnte in einem Alter von 13 Wochen aus dem Welpenzwinger zu uns wechseln. Schon der erste Kontakt zu ihren neuen Weggefährten zeigte uns, dass Caipi nicht nur sehr gut sozialisiert war, sondern auch sehr selbstbewusst auftrat. Wenn ihr etwas am Verhalten ihrer neuen Gefährten nicht passte, so „meckerte“ sie gleich lautstark und ließ sich nichts gefallen. Hatte sie es einmal übertrieben und den Zorn der älteren Hunde auf sich gezogen, so zog sie sich mittels Beschwichtigung geschickt wieder aus der Affäre. Dieses Verhalten verschaffte ihr einen Sonderstatus im Rudel, welchen sie auch heute immer weiter ausbaut. Sie schafft in beeindruckender Weise den Spagat zwischen Beschwichtigen, Einfordern und tierisch auf den Nerv gehen.
Aufgrund ihres durchtriebenen Charakters haben wir es nun auch bei ihrer Erziehung nicht immer gerade leicht mit ihr. Sie fordert uns im Bezug auf den Umgang mit ihr eine absolute Konsequenz ab. Sie nutzt jede noch so kleine Schwäche von uns direkt aus. Sollte sie den Bogen bei uns einmal überspannt haben, so bringt sie umgehend das volle Beschwichtigungs-Programm und schleimt sich massiv ein. Das hat ihr den Beinamen „Frankenhexe“ eingebracht. Ganz schön intelligent, unser schwarzer Besen.
Schon sehr bald fiel uns auf, dass Caipi enorm schnell lernt. Wir wunderten uns zum Beispiel warum ständig Dinge herum lagen, die sich eigentlich in verschlossenen Taschen befinden sollten. Wir beobachteten Caipi und konnten sehen, dass sie mit ihren Schneidezähnen in der Lage ist Reißverschlüsse zu öffnen um den Tascheninhalt nach Verwertbarem zu durchsuchen. Ich will nicht über die verpassten Kalorien jammern, wenn sie mir vor dem Weg in die Arbeit die Brotzeit geklaut hat. Aber leider haben wir auf diese Weise eben auch ein paar Gegenstände der Müllabfuhr zuführen können. Von den Löchern in Kleidungsstücken und den zerfressenen Socken möchten wir an dieser Stelle gar nicht schreiben, die waren sowieso alle fällig für die Altkleidersammlung.

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Caipi lebt nach dem Motto „Alles was nicht verboten wird ist erlaubt“. Das ist unser Problem wenn wir nicht zu Hause sind. Eigentlich war es das Problem unseres „Ficus Benjamini“. Wir waren nur für etwa eine halbe Stunde außer Haus. Es fiel uns bereits von draußen auf, als wir zum Haus hochgingen. Am Fenster ist es so leer. Der Ficus ist weg. Als wir herein kamen sahen wir Krümel von der Blumenerde auf dem Boden, aber keinen Hund. Wir folgten der Spur und standen erst einmal schweigend da. Der Ficus war bis in seine letzten Einzelteile zerlegt. Alle Blätter ab, das Geäst gehäckselt, die Erde überall im Raum verteilt und die Wurzeln freigelegt. Hinter uns saß eine wild beschwichtigende Hündin mit großen Murmelaugen. Ab diesem Zeitpunkt waren wir uns sicher: Beim Eintrag in den Papieren muss ein klitzekleiner Schreibfehler passiert sein, denn unser Hund heißt bestimmt in Wirklichkeit „Caipiranha“ …

Caipi wurde älter und es kam der lang ersehnte Tag des ersten Trainings. Wir staunten nicht schlecht. Selbstbewusst wie wir sie kannten lief sie los als hätte sie es schon X-fach gemacht. Auf Fotos bemerkten wir (bzw. wir wurden darauf hingewiesen), das Caipi, wenn sie nach hinten gespannt wurde, immer an der Seite des vor ihr laufenden Hundes vorbeischaute. Vermutlich störte sie der Dreck, der ihr ins Gesicht flog. Wir testeten es an und spannten Caipi neben ihre Mutter, die wir im Sommer in unser Zuhause holten, in Co-Lead. Da wurde unser Staunen noch größer.
Caipi lief nach ein paar kleinen Anfangsschwierigkeiten souverän neben Frosty und hatte einen höllischen Zug nach vorne. Selbst der Druck des hinter ihr laufenden Hundes machte ihr nichts. Spaziergänger, Pferde und andere Hunde interessierten sie nicht im Geringsten. Caipi lief ohne auch nur den Kopf zu heben sauber weiter. Ein Naturtalent eben. Nach der Sommerpause, nämlich beim Training zur Saison 06/07 steigerte sie ihre Leistungsfähigkeit enorm. Ihre hundischen Bedürfnisse werden während des Laufen und ohne den Zug aus der Leine zu nehmen erledigt. Sie baut zusehends Muskulatur auf und hat eine riesige Kondition. Selbst nach längeren Trainingseinheiten mit langen bergauf Passagen zeigt sie keinerlei Ermüdungserscheinungen. Caipi ist einfach immer nur gut drauf und man sieht ihr nie an, wie schwer sie gearbeitet hat. Ihre gut  durchpigmentierten Pfoten zeigen selbst auf schwierigstem Untergrund keine Probleme. Ihre Kommandosicherheit wird ständig besser. Ihr gesamtes Verhalten wird immer selbstbewusster. Beim ersten Herbst-Trainingslager wurden die zwei „schwarzen Mädels“ zunächst zwar von einigen Malamuten-Mushern wegen ihres geringen Gewichtes belächelt, aber als die Zwei mit Pasha im Wheel und Petra auf dem Trainingswagen sogar am Steigungen an all den Teams vorbeizogen, war die Sachlage geklärt.

Caipi und Frosty

Manchmal beflügelt allerdings das Selbstbewusstsein auch das  Ego und Caipi versucht die Karriereleiter im „Rudel“ aufzusteigen. Hier zeigt sich was eine gute Mutter ist. Frosty muss gelegentlich ihr Töchterchen „reseten“ und sie wieder auf den Boden der Tatsachen bringen, was ihr auf beeindruckende Weise immer gelingt.

Zusammenfassend gesagt; Aus Caipi ist eine zarte, unendlich verschmuste, absolut gut sozialisierte und überaus selbstbewusste Hündin geworden. Caipi ist eine wirklich gelungene Mischung aus Rick und Frosty, sowohl als „normaler“ Hund als auch als Schlittenhund. Sie läuft sehr sicher als Co-Leaderin und setzt alle Kommandos recht zuverlässig um. Sie ist sogar in der Lage das Team zu ihrer Seite hin zu wenden ohne das unsere Leaderin eingreifen muss. Ihre Mutter Frosty hat mit ihr eine gute, ausdauernde, schnelle Partnerin an der Seite und wir sind stolz und glücklich zugleich, dass sich Caipi´s und unsere Wege gekreuzt haben und sie in unserem Team läuft.
Das nächste Ziel wird sein, dass wir zusammen mit Caipirinha einen tollen Winter haben und alle erforderlichen Bedingungen erfüllen, damit einer Zuchtzulassung nichts im Wege steht. Wir werden am Ende der Saison sehen……………

Bernd u. Petra Langer

 Caipi